Der Tierkosten-Rechner zeigt nicht nur eine einzelne Preiszahl, sondern die Struktur einer Rechnung: welche Positionen sicher anfallen, welche vom individuellen Befund abhängen und warum daraus eine Spanne statt einer festen Zahl entsteht. Darunter steht, wie die GOT 2022 die einzelnen Bausteine regelt.
Jede Position in einer Kostenschätzung ist als „immer“ oder „befundabhängig“ eingestuft. „Immer“-Positionen (z.B. die Grunduntersuchung bei einer Kastration) fließen garantiert in die Rechnung ein. Befundabhängige Positionen (z.B. eine zusätzliche Nachuntersuchung) kommen nur hinzu, wenn der individuelle Fall es erfordert - deshalb zeigt der Rechner sie separat, statt sie einfach in die Standardsumme hineinzurechnen.
Die GOT legt für jede Position einen 1-fachen Basissatz in Euro fest, der bundesweit gleich ist. Nach § 2 Abs. 1 GOT 2022 darf die Praxis darauf den 1- bis 3-fachen Satz ansetzen. Maßgeblich sind fünf Kriterien: Schwierigkeit der Leistung, Zeitaufwand, Zeitpunkt, Wert des Tieres und die örtlichen Verhältnisse. Das ist der größte Hebel auf den Preis: Der Höchstsatz verdreifacht die Gebühr gegenüber dem einfachen. Der Rechner steht auf einem mittleren Satz und lässt dich pro Position auf einfach oder Höchstsatz wechseln - die Spanne zwischen unterster und oberster Kostenschätzung entsteht direkt aus diesem gesetzlich vorgesehenen Rahmen, nicht aus Unsicherheit unserer Daten.
Über den 3-fachen Satz hinaus (oder unter den einfachen) geht es nach § 5 Abs. 1 GOT 2022 nur mit einer vorab in Textform getroffenen Vereinbarung. In Ballungsräumen und an Kliniken wird im Schnitt ein höherer Faktor angesetzt als in einer Landpraxis - das wirkt über den Faktor, nicht über den Basissatz.
Für Behandlungen außerhalb der regulären Sprechzeiten gilt nach § 4 GOT 2022 eine eigene Regel: Für die notdienstrelevanten Positionen tritt ein fester 2- bis 4-facher Satz an die Stelle des normalen 1- bis 3-fachen Rahmens. Dazu kommt einmal je Behandlungsfall die Notdienstgebühr von 50 Euro netto - unabhängig davon, wie viele notdienstrelevante Positionen anfallen.
Der Rechner kennzeichnet, welche Positionen betroffen sind, verschiebt nur diese auf den Notdienst-Satz und addiert die Notdienstgebühr einmal - nicht auf die gesamte Kostenschätzung. Deshalb liegt die Untergrenze im Notdienst deutlich über einem normalen Termin.
Der Rechner bildet ausschließlich die in der GOT festgelegten Gebühren für tierärztliche Leistungen ab. Nach § 7 Abs. 2 GOT 2022 darf die Praxis daneben Entschädigungen, Auslagen, Entgelte für Arzneimittel sowie für verbrauchtes und abgegebenes Material gesondert berechnen - etwa Nahtmaterial, Verbandstoff, Einwegartikel oder die Narkosemedikamente selbst. Diese Kosten sind gesetzlich vorgesehen, aber nicht Teil der GOT-Gebührensätze und deshalb auch nicht Teil dieser Kostenschätzung.
Bei einer Operation oder Wundversorgung fallen sie erfahrungsgemäß am stärksten ins Gewicht, bei einer reinen Beratung oder Kontrolluntersuchung kaum. Die tatsächliche Rechnung deiner Praxis kann deshalb über der hier angezeigten Spanne liegen, auch wenn alle Faktoren korrekt eingeschätzt wurden.
Nach § 1 Abs. 3 GOT 2022 ist die Umsatzsteuer in den Gebührensätzen nicht enthalten - alle Sätze sind Nettobeträge. Auf tierärztliche Leistungen fallen 19 Prozent Umsatzsteuer an. Der Rechner weist deshalb zusätzlich zur Nettosumme den Bruttobetrag inklusive gesetzlicher Umsatzsteuer aus, damit die angezeigte Zahl den tatsächlich fälligen Gebühren entspricht - ohne die oben beschriebenen Material- und Arzneimittelkosten.
Jede Position in einer Kostenschätzung trägt ihre GOT-Gebührenziffer offen an der Zahl. Ein Klick darauf führt zuerst auf die interne Seite zu dieser Position - mit Basissatz je Tierart und Einordnung, warum daraus noch kein Rechnungsbetrag wird. Die amtliche Fassung der GOT erreichst du von dort und über den Quellen-Link, den jede Seite mit GOT-Bezug trägt.
Eine einzelne Ziffer kannst du auch direkt über GOT-Sätze nachschlagen suchen. Für einen konkreten Anlass wie eine Kastration oder Zahnsanierung bündelt der Kostenrechner die passenden Positionen und rechnet Steigerungsfaktor und Umsatzsteuer mit ein.
Jede Kostenschätzung durchläuft eine fachliche Prüfung, bevor sie öffentlich sichtbar wird:
Belege
Alle Sätze stammen aus der GOT 2022. Die Einzelnachweise stehen auf der Quellen-Seite.