Tierkosten-Rechner
Kosten
- Redaktion Tierkosten-Rechner

Gebärmuttervereiterung (Pyometra) bei der Hündin: Kosten

Die Gebärmuttervereiterung, fachsprachlich Pyometra, trifft vor allem ältere, nicht kastrierte Hündinnen einige Wochen nach der Läufigkeit. Anders als bei einer geplanten Kastration bleibt hier wenig Zeit zum Abwägen: Eine Pyometra kann sich innerhalb weniger Tage zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung entwickeln, deshalb wird meist zeitnah operiert. Wie häufig das vorkommt, zeigt eine schwedische Auswertung von Versicherungsdaten von mehr als 200.000 Hündinnen: Im Schnitt erkranken 23 bis 24 Prozent aller unkastrierten Hündinnen bis zum zehnten Lebensjahr, je nach Rasse reicht die Spanne von 10 bis 54 Prozent (Egenvall et al., 2001).

Tierarzt untersucht eine kleine Hündin mit dem Stethoskop

Foto: Tima Miroshnichenko via Pexels

Woran sich eine Gebärmuttervereiterung zeigt

Typische Anzeichen einige Wochen nach der Läufigkeit sind vermehrtes Trinken, ein aufgeblähter Bauch, Mattigkeit und Appetitlosigkeit, teils mit Ausfluss aus der Scheide, teils ohne sichtbaren Ausfluss, wenn der Gebärmutterhals verschlossen bleibt. Gerade der Fall ohne sichtbaren Ausfluss wird leicht übersehen, ist aber nicht weniger gefährlich: Die Vereiterung staut sich dann komplett in der Gebärmutter. Bei diesen Symptomen im passenden Zeitfenster nach der Läufigkeit ist eine zeitnahe tierärztliche Abklärung angezeigt.

Woraus sich der Preis zusammensetzt

Die Operation ist eine Ovariohysterektomie (die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken), ergänzt um Diagnostik und Kreislaufstabilisierung, die bei einer geplanten Kastration meist entfallen:

  • die allgemeine Untersuchung mit Beratung (GOT-Nr. 16, Basissatz 23,62 Euro netto)
  • ein kleines Blutbild und eine chemische Blutuntersuchung, um den Allgemeinzustand vor der Narkose einzuschätzen (GOT-Nr. 617 und 610, 20,80 bzw. 13,57 Euro je Parameter)
  • ein Venenkatheter und eine Infusion zur Kreislaufstabilisierung vor der OP (GOT-Nr. 225 und 235, 14,62 bzw. 70,92 Euro)
  • die Narkose (Kombinationsnarkose plus Inhalationsnarkose, GOT-Nr. 330 und 337, 31,47 bzw. 61,57 Euro) mit entsprechender Narkoseüberwachung (GOT-Nr. 282, 18,29 Euro je 15-Minuten-Einheit)
  • die Ovariohysterektomie selbst (GOT-Nr. 604, Basissatz 192,00 Euro)

Kostenschätzung ansehen

Gebärmuttervereiterung (Hündin)
Alle üblichen Positionen mit einstellbarem Steigerungsfaktor.

Ein Rechenbeispiel

Ein Beispiel mit sechs angefangenen 15-Minuten-Einheiten Narkoseüberwachung und dem 2-fachen Satz:

  • Untersuchung (Nr. 16): 23,62 Euro × 2 = 47,24 Euro
  • Kleines Blutbild (Nr. 617): 20,80 Euro × 2 = 41,60 Euro
  • Blutuntersuchung, 3 Parameter (Nr. 610): 13,57 Euro × 3 × 2 = 81,42 Euro
  • Venenkatheter (Nr. 225): 14,62 Euro × 2 = 29,24 Euro
  • Kombinationsnarkose (Nr. 330): 31,47 Euro × 2 = 62,94 Euro
  • Inhalationsnarkose (Nr. 337): 61,57 Euro × 2 = 123,14 Euro
  • Narkoseüberwachung, 6 × 15 Minuten (Nr. 282): 18,29 Euro × 6 × 2 = 219,48 Euro
  • Ovariohysterektomie (Nr. 604): 192,00 Euro × 2 = 384,00 Euro

Summe netto: 989,06 Euro. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer sind das rund 1.177 Euro brutto. Kommt, wie häufig, eine Infusion per Infusomat statt per Schwerkraft dazu (70,92 statt in der Grundausstattung enthalten), steigt die Summe auf rund 1.346 Euro. Beim 1-fachen Satz wären es etwa 588 Euro, beim 3-fachen rund 1.765 Euro, jeweils ohne die Infusomat-Position.

Der Zusammenhang mit der Kastration

Eine kastrierte Hündin hat keine Gebärmutter mehr und kann keine Pyometra entwickeln. Es ist der einzige Schutz, der wirklich zuverlässig ist. Die geplante Kastration kostet dafür deutlich weniger: Der Basissatz der reinen Ovarektomie liegt bei 128,27 Euro, gut ein Drittel unter dem der Ovariohysterektomie bei der Pyometra-OP, und die Hündin ist zum Zeitpunkt des Eingriffs gesund, sodass Blutuntersuchung und Kreislaufstabilisierung meist entfallen. Die Pyometra-Operation ist damit nicht nur medizinisch dringlicher, sondern auch spürbar teurer als der planbare Eingriff, gegen den sie zugleich schützt.

Kostenschätzung ansehen

Kastration Hündin
Der planbare Vergleichsfall – günstiger und ohne den Zeitdruck eines Notfalls.

Warum der Steigerungsfaktor zusätzlich schwankt

Auf jeden Basissatz legt die Praxis einen Steigerungsfaktor zwischen dem 1- und 3-fachen Satz fest (§ 2 Abs. 1 GOT 2022), nach Schwierigkeit der Leistung, Zeitaufwand, Zeitpunkt der Behandlung, Wert des Tieres und örtlichen Verhältnissen. Bei einer bereits geschwächten, kreislaufinstabilen Hündin ist der Aufwand höher als bei einer stabilen Patientin, was einen höheren Faktor rechtfertigt. Über den 3-fachen Satz hinaus braucht es eine schriftliche Vereinbarung vor der Behandlung (§ 5 Abs. 1 GOT 2022), bei einem echten Notfall in der Praxis meist mündlich vorbesprochen und danach schriftlich nachgereicht.

Was auf der Rechnung noch dazukommt

Infusionslösungen, Nahtmaterial und Schmerzmittel werden nach § 7 Abs. 2 GOT 2022 gesondert berechnet, dazu die Umsatzsteuer von 19 Prozent (§ 1 Abs. 3 GOT 2022). Findet die Operation außerhalb der regulären Sprechzeiten statt, kommt zusätzlich der erhöhte Notdienst-Rahmen nach § 4 GOT 2022 samt Notdienstgebühr hinzu. Nach der OP ist bei einer bereits geschwächten Hündin oft ein stationärer Tag zur Überwachung sinnvoll, der als eigene Position abgerechnet wird. Wie lange dieser Aufenthalt dauert, hängt auch davon ab, ob der Muttermund offen oder geschlossen war: Bei geschlossenem Muttermund staut sich die Vereiterung vollständig in der Gebärmutter, die Hündin ist bei der Diagnose häufig deutlich kränker und braucht entsprechend mehr Infusionen und Überwachung, bevor sie operationsfähig ist.

Für den ungeplanten Fall vorsorgen

Weil eine Pyometra nicht planbar ist und deutlich teurer als eine Kastration ausfällt, ist sie ein gutes Beispiel dafür, warum eine Rücklage oder eine Versicherung sich lohnen kann, unabhängig davon, ob eine Hündin kastriert ist oder nicht.

So bleibt eine Rechnung wie diese planbar
Eine Versicherung oder eine eigene Rücklage kann Kosten wie diese ganz oder teilweise abfedern.

Die Entscheidungslogik im Detail steht in OP-Versicherung oder Rücklage, ob sich eine Versicherung konkret lohnt, in Tierkrankenversicherung für den Hund: Lohnt sich das?.

Häufige Fragen

Was kostet die Operation bei einer Gebärmuttervereiterung?
Ein Rechenbeispiel mit den üblichen Positionen für Untersuchung, Blutuntersuchung, Kreislaufstabilisierung, Narkose und der Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken landet beim 2-fachen Satz bei rund 1.177 Euro brutto, mit Infusion per Infusomat statt Schwerkraft bei rund 1.346 Euro. Damit liegt der Eingriff deutlich über einer geplanten Kastration.
Was ist eine Gebärmuttervereiterung überhaupt?
Eine Pyometra ist eine bakterielle Infektion der Gebärmutter, die typischerweise einige Wochen nach der Läufigkeit auftritt, meist bei älteren, nicht kastrierten Hündinnen. Unbehandelt kann sie zu einer Blutvergiftung führen, deshalb wird sie in aller Regel zeitnah operiert.
Warum ist die Operation teurer als eine geplante Kastration?
Weil zusätzlich zur Ovariohysterektomie selbst meist eine Blutuntersuchung, eine Infusion zur Kreislaufstabilisierung und ein Venenkatheter nötig sind – die Hündin ist zum Zeitpunkt der OP oft bereits geschwächt. Der Basissatz der Ovariohysterektomie liegt zudem höher als der der reinen Ovarektomie bei einer geplanten Kastration.
Muss die Operation sofort erfolgen?
In den meisten Fällen ja, oft noch am selben Tag, teils auch außerhalb der regulären Sprechzeiten. Wie stark eine mögliche Notdienst-Situation den Preis zusätzlich erhöht, hängt vom genauen Zeitpunkt ab.
Wie hängt die Gebärmuttervereiterung mit der Kastration zusammen?
Eine kastrierte Hündin hat keine Gebärmutter mehr und kann keine Pyometra entwickeln. Die geplante Kastration ist damit auch eine Vorsorge gegen genau diesen teuren Notfall – wie teuer, zeigt der Vergleich beider Eingriffe.

Zum Artikel