Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) einfach erklärt
Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte, kurz GOT, ist der Grund, warum jede Praxis ihre Preise in einer bestimmten Spanne verlangt. Sie ist eine bundesweite Rechtsverordnung, legt für jede Leistung einen Nettosatz fest und gibt vor, in welchem Rahmen abgerechnet werden darf. Die aktuelle Fassung gilt seit dem 22. November 2022. Wer versteht, wie sie funktioniert, kann eine Rechnung einordnen, statt sie nur hinzunehmen.

Foto: Pavel Danilyuk via Pexels
Was die GOT ist und für wen sie gilt
Die GOT ist kein Vorschlag und keine Empfehlung der Tierärztekammer, sondern geltendes Recht. Sie gilt für alle niedergelassenen Tierärzte in Deutschland. Der einfache Gebührensatz ist dabei der gesetzliche Mindestsatz: Eine Praxis darf ihn nicht unterschreiten, auch nicht aus Kulanz. Nach oben endet der reguläre Rahmen beim 3-fachen Satz; darüber hinaus ist eine vorab schriftlich getroffene Vereinbarung nötig.
Das erklärt zwei Dinge auf einmal. Erstens, warum Tierarztkosten überall in einer ähnlichen Größenordnung liegen. Zweitens, warum es keine echten Schnäppchen gibt: Ein Preis deutlich unter dem üblichen wäre nicht erlaubt.
Wie sich eine Position berechnet
Jede tierärztliche Leistung hat in der GOT eine Gebührenziffer und einen Basissatz in Euro. Der Basissatz ist bundesweit gleich und je Tierart festgelegt. Aus ihm wird der Rechnungsposten in drei Schritten:
- Basissatz mal Steigerungsfaktor. Nach § 2 Abs. 1 GOT 2022 darf die Praxis je nach Aufwand den 1- bis 3-fachen Satz ansetzen.
- Plus 19 Prozent Umsatzsteuer. Alle GOT-Sätze sind Nettobeträge (§ 1 Abs. 3 GOT 2022).
- Plus Material und Arzneimittel, falls welche verbraucht wurden. Diese Kosten dürfen nach § 7 Abs. 2 GOT 2022 neben den Gebühren berechnet werden und sind nicht Teil des Satzes.
Ein vereinfachtes Beispiel für eine einzelne Position: Liegt der Basissatz einer Leistung bei 20 Euro, sind das beim 2-fachen Satz 40 Euro netto. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer werden daraus 47,60 Euro. Kämen 5 Euro Material hinzu, stünden 52,60 Euro auf der Rechnung, für einen einzigen Posten.
Bei einer Operation kommt die Narkose je angefangene 15 Minuten als eigene Position dazu, ebenso jede weitere Leistung wie eine Röntgenaufnahme oder eine Blutuntersuchung. Eine Rechnung ist also fast nie ein einzelner Betrag, sondern eine Summe aus mehreren Positionen, jede mit eigenem Faktor. Genau deshalb entsteht eine Spanne statt einer festen Zahl: Vor der Behandlung steht weder fest, welche befundabhängigen Positionen anfallen, noch welcher Faktor am Ende gerechtfertigt ist.
Warum zwei Rechnungen für dasselbe unterschiedlich sind
Der Steigerungsfaktor ist der größte Hebel auf den Preis. Der 3-fache Satz verdreifacht die Gebühr gegenüber dem einfachen, ohne dass sich am Basissatz etwas ändert. Welcher Faktor gerechtfertigt ist, hängt vom Einzelfall ab: ein unkooperatives Tier, eine schwierige Lage des Operationsfelds, zusätzlicher Zeitaufwand. An Kliniken und in Ballungsräumen wird im Schnitt ein höherer Faktor angesetzt als in einer Landpraxis.
Zwei Rechnungen für denselben Eingriff können deshalb spürbar auseinanderliegen, ohne dass eine davon falsch ist. Beide bewegen sich im gesetzlichen Rahmen.
Der Notdienst hat eigene Regeln
Für Behandlungen im Notdienst gilt § 4 GOT 2022. Dann tritt für die notdienstrelevanten Positionen ein 2- bis 4-facher Satz an die Stelle des normalen 1- bis 3-fachen Rahmens. Dazu kommt eine feste Notdienstgebühr von 50 Euro netto, die in der gleichen Angelegenheit nur einmal berechnet werden darf, auch bei mehreren Tieren.
Als Zeiten, in denen der Zeitpunkt der Behandlung besonders zählt, nennt § 2 Abs. 2 GOT 2022 die Nacht von 18 bis 8 Uhr, das Wochenende von Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr und gesetzliche Feiertage. Die Notdienstgebühr und der höhere Mindestfaktor sind dabei nicht neu: Sie gelten schon seit Februar 2020, die GOT 2022 hat sie übernommen.
Was die GOT nicht regelt
Der GOT-Satz ist nicht der Rechnungsbetrag. Nicht Teil der Gebühr sind die 19 Prozent Umsatzsteuer, die immer obendraufkommen, und die Kosten für verbrauchtes Material und abgegebene Arzneimittel. Bei einer Operation oder Wundversorgung fallen Letztere am stärksten ins Gewicht, bei einer reinen Beratung kaum.
Nicht immer erkennbar getrennt sind außerdem die Kosten für ein Fremdlabor: Wird eine Blut- oder Gewebeprobe extern untersucht, berechnet die Praxis die Laborrechnung weiter. Die tatsächliche Rechnung kann deshalb über einer Schätzung liegen, die nur die GOT-Gebühren abbildet, selbst wenn der Faktor korrekt eingeschätzt wurde.
Was du mit der GOT anfangen kannst
Die GOT gibt dir einen Maßstab, keinen Verhandlungshebel. Sinnvoll ist, nach der Behandlung die Positionen auf der Rechnung mit dem tatsächlichen Aufwand abzugleichen: Passen die abgerechneten Leistungen zum Eingriff? Wirkt der Faktor bei einer Position auffällig hoch, kannst du nachfragen, worin der erhöhte Aufwand lag. Was du dagegen nicht erreichen kannst, ist ein Preis unter dem einfachen Satz. Deshalb lohnt es sich mehr, die Kosten vorher einzuplanen, als sie hinterher zu drücken.
Eine einzelne Ziffer nachschlagen
Die amtliche Fassung steht bei gesetze-im-internet.de zum Nachlesen. Einen einzelnen Satz suchst du schneller über GOT-Sätze nachschlagen. Für einen konkreten Anlass wie eine Kastration oder Zahnsanierung bündelt der Kostenrechner die passenden Positionen und rechnet Steigerungsfaktor und Umsatzsteuer mit ein. Wie der Rechner im Detail vorgeht, steht auf der Methodik-Seite. Was sich mit der Novelle 2022 gegenüber der alten Fassung geändert hat, zeigt die Übersicht zur GOT 2022.