Tierarzt-Notdienst: Was zahlt man nachts und am Wochenende?
Im Notdienst zahlst du für die betroffenen Leistungen den 2- bis 4-fachen statt des sonst üblichen 1- bis 3-fachen Satzes, dazu einmal eine feste Notdienstgebühr von 50 Euro netto. Es gibt keinen pauschalen Nachtzuschlag auf die ganze Rechnung, und der höhere Faktor greift nur bei den notdienstrelevanten Positionen. Dieser Artikel erklärt, wann Notdienstzeit ist, was genau teurer wird und wie du für den konkreten Fall eine Zahl bekommst.

Foto: Ruslan Sikunov via Pexels
Fällt dein Termin in eine Notdienstzeit?
Der Prüfer sagt dir, ob ein Zeitpunkt in eine der drei gesetzlichen Notdienstzeiten fällt und welche Kostenfolge daran hängt. Standardmäßig steht er auf jetzt; für einen geplanten Termin stellst du Datum und Uhrzeit um.
Zeitpunkt wird geprüft …
Im Zweifel zählt die Dringlichkeit
Wenn du unsicher bist, ob dein Tier sofort behandelt werden muss, entscheidet die medizinische Dringlichkeit - nicht der Preis. Ruf im Zweifel den tierärztlichen Notdienst an und schildere die Situation.
Eine diensthabende Praxis in deiner Nähe findest du über die Tierärztliche Notdienstsuche oder die zentrale Notdienstnummer deiner Landestierärztekammer.
Wann Notdienstzeit ist
§ 2 Abs. 2 GOT 2022 kennt drei Zeitfenster:
- Nacht: täglich von 18 bis 8 Uhr des Folgetags. 18:00 Uhr zählt schon zur Nacht, 8:00 Uhr wieder zum Tag.
- Wochenende: durchgehend von Freitag 18 Uhr bis Montag 8 Uhr. Samstag und Sonntag also ganztägig.
- Gesetzlicher Feiertag: von 0 bis 24 Uhr, abhängig vom Bundesland, in dem behandelt wird.
Einen Sondertarif für Heiligabend oder Silvester kennt die GOT nicht, anders als die Gebührenordnung für Ärzte. Ob ein landesspezifischer Feiertag wie Fronleichnam oder der Reformationstag zählt, hängt vom Ort der Behandlung ab.
Was der Notdienst kostet
Zwei Dinge kommen im Notdienst zusammen. Erstens die Notdienstgebühr: 50 Euro netto, einmal in der gleichen Angelegenheit, unabhängig von der Zahl der Positionen. Zweitens der höhere Faktor: Für die notdienstrelevanten Positionen tritt der 2- bis 4-fache Satz an die Stelle des normalen 1- bis 3-fachen Rahmens.
Wie stark sich das auswirkt, hängt vom Ausgangsfaktor ab. Rechnet eine Praxis tagsüber mit dem 2-fachen Satz und im Notdienst ebenfalls mit dem unteren, dem 2-fachen, kommt fast nur die Notdienstgebühr obendrauf. Geht sie im Notdienst auf den 4-fachen Höchstsatz, verdoppeln sich die Gebühren für die betroffenen Positionen gegenüber diesem Tagestermin. In vielen Fällen liegt der Aufschlag zwischen 50 und 150 Euro, bei aufwendigen Behandlungen zum Höchstsatz auch deutlich darüber.
Eine belastbare Zahl für deinen Fall liefert der Kostenrechner mit aktiviertem Notdienst-Schalter. Er verschiebt nur die betroffenen Positionen auf den Notdienst-Satz und addiert die Gebühr einmal. Die genaue Herleitung steht in der Methodik.
Was der Notdienst nicht teurer macht
Nicht alles auf der Rechnung wird im Notdienst teurer. Positionen, die nicht als notdienstrelevant eingestuft sind, laufen weiter im normalen 1- bis 3-fachen Rahmen. Material und Medikamente kosten dasselbe wie am Tag, sie werden nach § 7 Abs. 2 GOT 2022 ohnehin gesondert und ohne Faktor berechnet. Auch der Umsatzsteuersatz bleibt bei 19 Prozent. Der Aufschlag beschränkt sich also auf die Notdienstgebühr und den höheren Faktor der betroffenen Positionen, nicht auf die gesamte Rechnung.
Wo du nachts eine Praxis findest
Welche Praxis Notdienst hat, wechselt tage- oder wochenweise. Die eigene Tierarztpraxis nennt den aktuellen Notdienst meist auf dem Anrufbeantworter oder der Website. Daneben führen die Tierärztekammern der Länder Notdienstverzeichnisse, und viele Regionen haben einen zentralen tierärztlichen Notdienstruf. Für Kliniken mit durchgehendem Betrieb gilt die Notdienstregelung genauso, sobald der Termin in eine der Zeiten nach § 2 Abs. 2 GOT 2022 fällt.
Warum es diese Regel gibt
Die Notdienstgebühr und der höhere Mindestfaktor gelten seit Februar 2020, die GOT 2022 hat sie unverändert übernommen. Sie decken die Kosten dafür, dass eine Praxis außerhalb der Sprechzeiten erreichbar und einsatzbereit bleibt: Personal in Bereitschaft, ein besetztes Telefon, eine kurzfristig öffnende Praxis. Die Regel gilt bundesweit gleich und ist nicht die Entscheidung der einzelnen Praxis. Der genaue Wortlaut steht in § 4 der GOT 2022.
Zum Notdienst gehen oder bis morgen warten?
Ob ein Problem bis zum nächsten regulären Termin warten kann, ist eine tiermedizinische Frage. Im Zweifel rufst du die Notdienstpraxis an und schilderst die Symptome. Es gibt Situationen, in denen jede Stunde zählt und die Kosten keine Rolle spielen dürfen, etwa Atemnot, eine stark blutende Wunde, ein aufgeblähter und würgender Hund, ein Kater, der nicht mehr urinieren kann, der Verdacht auf eine Vergiftung oder eine Kolik beim Pferd. In solchen Fällen ist der Notdienst der richtige Weg, unabhängig vom Preis.
Lässt sich ein Aufschub dagegen medizinisch vertreten, spart der reguläre Termin am nächsten Morgen die Notdienstgebühr und den höheren Faktor. Ein Zeckenbiss ohne Beschwerden, eine leichte Bindehautentzündung oder ein einmaliges Erbrechen bei sonst munterem Tier sind typische Fälle, die meist bis zur regulären Sprechstunde warten können. Die Grenze verläuft nicht scharf, deshalb gilt: telefonisch nachfragen statt raten.
Wichtig ist auch, dass die Kostenfrage eine Behandlung nie verzögern sollte, wenn es dem Tier erkennbar schlecht geht. Der Notdienst ist verpflichtet zu behandeln, und über die Bezahlung lässt sich danach reden, etwa über eine Ratenzahlung.
Wie sich die Kosten solcher Notfälle zusammensetzen, zeigen die Kostenschätzungen:
Kostenschätzung ansehen
Kostenschätzung ansehen
Kostenschätzung ansehen
Für unvorhergesehene Notfälle wie diese ist eine Tierarzt-Rücklage da. Sie deckt auch den Notdienst-Aufschlag ab, der sich vorher nicht einplanen lässt.