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Tierkrankenversicherung wechseln und kündigen: So gehst du vor

Eine Tierkrankenversicherung kündigst du in Textform unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Frist, meist ein bis drei Monate zum Ende der Versicherungsperiode. Ein Wechsel des Anbieters ist grundsätzlich jederzeit möglich, bringt aber neue Wartezeiten und denselben Vorerkrankungs-Ausschluss wie beim ersten Vertragsabschluss mit sich. Was dabei rechtlich gilt und worauf du beim Wechsel achten solltest, steht in diesem Artikel.

Eine Familie sitzt mit ihrem Hund gemeinsam im Wohnzimmer

Foto: cottonbro studio via Pexels

Die ordentliche Kündigung: Frist und Stichtag

Die meisten Tierkrankenversicherungen laufen zunächst ein Jahr und verlängern sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn niemand kündigt. Für diesen Fall regelt § 11 Abs. 3 VVG die Kündigungsfrist: Sie muss für beide Vertragsparteien gleich sein und darf nicht weniger als einen Monat und nicht mehr als drei Monate betragen. Die genaue Zahl innerhalb dieses Rahmens legt dein Vertrag fest, meist steht sie sowohl im Versicherungsschein als auch in den Versicherungsbedingungen. Gekündigt wird immer zum Ende der laufenden Versicherungsperiode, in der Praxis also zum Jahrestag deines Vertragsbeginns.

Hast du dich stattdessen auf eine feste Mehrjahreslaufzeit eingelassen, gilt eine eigene Regel: Nach § 11 Abs. 4 VVG kannst du einen Vertrag mit mehr als drei Jahren Laufzeit bereits zum Ablauf des dritten Jahres oder jedes darauffolgenden Jahres kündigen, mit einer Frist von drei Monaten. Ein Blick in den eigenen Vertrag lohnt sich in jedem Fall, denn die branchenübliche Praxis unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter.

Der Sonderfall Beitragserhöhung

Eine eigene Kündigungsmöglichkeit greift, wenn der Versicherer während der Laufzeit die Prämie erhöht, ohne dass sich die Leistung entsprechend verbessert. Dieses Sonderkündigungsrecht nach § 40 VVG läuft anders als die ordentliche Kündigung und ist ausführlich in Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung erklärt.

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Gebärmuttervereiterung (Hündin)
Ein Beispiel für einen ungeplanten, teuren Fall, an dem sich Wartezeit und Vorerkrankungs-Ausschluss besonders bemerkbar machen.

Was beim Wechsel des Anbieters wirklich passiert

Ein Wechsel ist rechtlich unkompliziert, aber inhaltlich kein Neustart bei null. Zwei Mechanismen wirken beim neuen Vertrag genauso wie beim ersten Abschluss:

  • Die Wartezeit beginnt von vorn. Der neue Versicherer kennt deine bisherige Vertragsdauer nicht. Branchenüblich sind ein bis drei Monate Wartezeit für Krankheiten, für Unfälle entfällt sie bei vielen Anbietern.
  • Der Vorerkrankungs-Ausschluss gilt erneut. Alles, was vor dem neuen Vertragsbeginn bereits diagnostiziert oder behandelt wurde, bleibt beim neuen Anbieter dauerhaft ausgeschlossen, unabhängig davon, ob der alte Vertrag es noch mitversichert hätte.

Ein Wechsel lohnt sich deshalb vor allem, solange dein Tier gesund ist und keine laufende Behandlung ansteht. Ist bereits eine chronische Erkrankung diagnostiziert, wird ein neuer Vertrag genau diesen Fall aller Voraussicht nach ausschließen, während der bestehende Vertrag ihn möglicherweise noch trägt.

Die richtige Reihenfolge: erst der neue Vertrag, dann die Kündigung

Der häufigste Fehler bei einem Wechsel ist die falsche Reihenfolge. Wer zuerst kündigt und danach in Ruhe einen neuen Anbieter sucht, riskiert eine Deckungslücke: Ein Unfall oder eine akute Erkrankung in dieser Zeit trägst du komplett selbst, und die Wartezeit beim neuen Vertrag läuft ohnehin erst ab dessen Vertragsbeginn. Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge:

  1. Neuen Vertrag abschließen und die Annahmebestätigung abwarten.
  2. Erst danach den alten Vertrag fristgerecht kündigen.
  3. Eine kurze Überschneidung beider Verträge in Kauf nehmen, statt eine Lücke zu riskieren.

Eine doppelte Beitragszahlung für ein oder zwei Monate ist günstiger als ein ungedeckter Schadensfall in der Übergangszeit.

So formulierst du die Kündigung

Für die Kündigung reicht Textform, ein förmliches Kündigungsschreiben mit Unterschrift ist nicht nötig. Eine E-Mail oder ein einfacher Brief genügt, solange folgende Angaben enthalten sind:

  • deine Versicherungsscheinnummer
  • das gewünschte Kündigungsdatum, orientiert an der Frist aus deinem Vertrag
  • die Bitte um eine schriftliche Bestätigung der Kündigung

Diese Bestätigung solltest du unbedingt abwarten und aufbewahren, bevor du einen neuen Vertrag als endgültig betrachtest. Kommt sie nicht innerhalb weniger Wochen, lohnt sich eine Nachfrage: Kündigungen gehen selten verloren, aber der Nachweis über den fristgerechten Zugang liegt im Streitfall bei dir.

Was beim Tod des Tieres gilt

Ein Sonderfall, der in der Kündigungsfrage oft übersehen wird: Verstirbt dein Tier, endet der Versicherungsvertrag branchenüblich automatisch oder lässt sich formlos mit kurzer Frist beenden, weil das versicherte Risiko damit entfällt. Die genaue Regelung dazu steht in den Versicherungsbedingungen deines Vertrags, meist im Abschnitt zur Vertragsbeendigung. Ein Nachweis, etwa eine tierärztliche Bescheinigung, wird in der Regel verlangt.

So bleibt eine Rechnung wie diese planbar
Eine Versicherung oder eine eigene Rücklage kann Kosten wie diese ganz oder teilweise abfedern.

Wechseln oder bleiben: worauf es ankommt

Ein Wechsel spricht eher dafür, wenn …Beim aktuellen Vertrag bleiben spricht eher dafür, wenn …
dein Tier aktuell gesund ist und die neue Wartezeit unbeschadet überstehtbereits eine Diagnose vorliegt, die ein neuer Vertrag ausschließen würde
der neue Tarif einen für dich wichtigen Leistungspunkt abdeckt, der beim alten fehltdein bestehender Vertrag eine lange Laufzeit ohne Beitragssprünge hinter sich hat
die Beitragserhöhung des alten Anbieters über dem liegt, was der neue Tarif verlangteine anstehende Behandlung noch unter den alten, bekannten Vertrag fallen soll

Die konkrete Tarifwahl nimmt dieser Artikel bewusst nicht vor: Eine Rangfolge oder Bewertung von Anbietern würde eine Empfehlung vortäuschen, die so nicht seriös möglich ist. Die Absicherungs-Übersichten für Hund, Katze und Pferd stellen die aktuell gelisteten Anbieter stattdessen alphabetisch mit ihren Merkmalen nebeneinander, ohne Wertung.

Wenn du noch unentschieden bist

Wer sich grundsätzlich zwischen Versicherung und eigener Rücklage noch nicht entschieden hat, findet die Abwägung dazu in OP-Versicherung oder Rücklage: Was passt besser?. Ob sich eine Versicherung für deinen Hund konkret lohnt, ordnet Tierkrankenversicherung für den Hund: Lohnt sich das? ein.

Häufige Fragen

Wie kündige ich meine Tierkrankenversicherung?
Schriftlich (Textform reicht, also auch E-Mail) unter Einhaltung der Kündigungsfrist aus deinem Vertrag. Ohne vereinbarte Mehrjahreslaufzeit gilt § 11 Abs. 3 VVG: die Frist liegt zwischen einem und drei Monaten zum Ende der Versicherungsperiode, meist also zum Jahresende des Vertrags. Die genaue Frist und den Stichtag findest du in deinem Versicherungsschein oder den Versicherungsbedingungen.
Kann ich jederzeit kündigen?
Nein, in der Regel nur zum Ende der laufenden Versicherungsperiode unter Einhaltung der Frist. Eine sofortige Kündigung ist nur in Ausnahmefällen möglich, etwa beim Sonderkündigungsrecht nach einer Beitragserhöhung (§ 40 VVG) oder wenn dein Tier verstirbt.
Was passiert mit Wartezeiten, wenn ich den Anbieter wechsle?
Sie beginnen von vorn. Der neue Versicherer kennt deine bisherige Vertragslaufzeit nicht und wendet seine eigenen Wartezeiten an, meist ein bis drei Monate für Krankheiten. Ein Wechsel lohnt sich deshalb vor allem dann, wenn du die neue Wartezeit unbeschadet überstehst.
Übernimmt der neue Versicherer bereits bekannte Diagnosen?
Nein. Der Vorerkrankungs-Ausschluss gilt beim neuen Anbieter genauso wie beim alten, nur bezogen auf dessen eigenen Vertragsbeginn. Alles, was vor dem neuen Vertragsstart schon diagnostiziert oder behandelt wurde, bleibt dauerhaft ausgeschlossen. Ein Wechsel ändert daran nichts zum Besseren.
Sollte ich zuerst kündigen oder zuerst den neuen Vertrag abschließen?
Zuerst den neuen Vertrag abschließen und die Bestätigung abwarten, erst danach den alten kündigen. Andernfalls riskierst du eine Lücke, in der dein Tier zeitweise gar nicht versichert ist, während die Wartezeit beim neuen Anbieter noch läuft.

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